Rund ums Reisen
Lost Treasures: Die schönsten verlorenen Orte Europas
Linz Airport
Sie wecken die Abenteuerlust und befriedigen den Entdeckergeist in uns: verlassene Orte. Solche Lost Places, auch Lost Treasures genannt, gibt es in ganz Europa. Wo die Natur die Mauern von Städten langsam zurückerobert und von einem Dorf nur noch ein Kirchturm an längst vergangene Tage erinnert, werden Orte zu Geschichtenerzählern. Wir zeigen in diesem Text die schönsten verlorenen Orte Europas und warum diese eine Reise wert sind.
Warum die verlorenen Orte Europas bereisen?
Eine Geisterstadt ist nicht das typische Urlaubsziel. Doch wagt man sich aus seiner Komfortzone heraus, wird man unwillkürlich vom Charme der Lost Places verzaubert. In diesen vergessenen Orten hat man das Gefühl, als wäre die Zeit vor vielen Jahren stehen geblieben. Nach und nach erobert die Natur jene Plätze wieder zurück und verleiht ihnen eine wunderbar romantische Ästhetik. Geht man mit offenen Augen durch die Ruinen der Lost Treasures, erkennt man ihren wahren Wert und ihre Geschichte. Und man erspürt zwischen halbverfallenen Steinmauern und überwucherten Alltagsgegenständen die eigene Atmosphäre und Magie dieser verlorenen Plätze. Zum Glück gibt es einige verlorene Orte in Europa, die man über das Drehkreuz Frankfurt gut erreichen kann.
Craco, Italien: Eine Geisterstadt als Filmkulisse
m südlichen Italien thront Craco nahezu malerisch auf einem Hügel über dem grünen Tal. Wo früher auf Marktständen in den engen Gassen frisches Gemüse der Region verkauft wurde, herrscht heute gähnende Leere - wenn nicht gerade James Bond über die Straßen rast. Nicht nur Touristen wissen die leeren Häuserruinen zu schätzen, sondern auch die Filmindustrie hat in dieser Geisterstadt eine wunderschöne Kulisse gefunden. Doch welche Geschichte verbirgt sich hinter dem verlassenen Ort?
Vor vielen Jahren blühte hier das Leben, doch die Einwohner wurden von schweren Erdbeben und Erdrutschen nach und nach vertrieben. 1980 baute man daher die Stadt im Tal neu auf, in “Craco Peschiera” fand der Großteil der Bewohner ein sicheres zu Hause. Zum Glück wurden die alten Ruinen nicht gänzlich abgetragen und können heute noch entdeckt werden.
Neugierig geworden? Über das Drehkreuz Frankfurt geht es zum süditalienischen Flughafen Neapel oder mit Ryanair nach Bari, von dort geht es mit dem Auto weiter.
Geamana, Rumänien: Das im giftigen Schlamm versunkene Dorf
Von dem Dorf Geamana ist leider nur noch wenig sichtbar.1970 wurden hier ca. 1.000 Menschen aus 400 Familien ausgesiedelt. Die nahe gelegene Kupfermine erhielt die Erlaubnis der Regierung, das Tal als Absetzbecken für den chemischen Abfall der Minenarbeit zu nutzen. So wurde das Dorf in kürzester Zeit mit giftigem Schlamm geflutet. Die Kirche, die sich auf einem Hügel befand, war noch längere Zeit zu sehen, doch der Spiegel des Sees steigt weiter an, wodurch mittlerweile nur noch das Dach des Turms an das einstige malerische Dorf erinnert. Den Airport Cluj (Klausenburg) erreicht man über Frankfurt, von dort sind es ca. zweieinhalb Stunden mit dem Auto.
Ordour-sur-Glane, Frankreich: Verlassene Stadt mit tragischer Geschichte
Auch dem verlassene Ort Ordour-sur-Glane in Frankreich liegt eine besondere Geschichte zu Grunde. Während des Zweiten Weltkriegs wurde hier ein Kriegsverbrechen von der Waffen-SS verübt, das „Massaker von Ordour-sur-Glane“. Das komplette Dorf wurde dabei zerstört und nahezu die gesamte Bevölkerung ermordet. Nur 36 Menschen haben überlebt und später neben den Ruinen ein neues Dorf errichtet. Die zerstörten Häuser und verlassenen Straßen dienen heute als bewegende Gedenkstätte und inspirierendes Mahnmal.
Mit dem Mietwagen braucht man ca. zweieinhalb Stunden vom Flughafen Bordeaux aus.
Sarajevo, Bosnien-Herzegowina: das verlassene Olympische Dorf
1984 wurden, im damaligen Jugoslawien, die olympischen Winterspiele zum ersten Mal in einem kommunistischen Land ausgetragen. Wo heute nur noch Ruinen an die glorreiche Zeit erinnern, wurden damals Medaillen gefeiert und im sportlichen Sinne gekämpft. Keine 10 Jahre später wurde das Olympische Dorf als Waffenlager genutzt, die bosnisch-serbische Armee verschanzte sich auf der alten Bobrennbahn und unter den Schisprungschanzen. Nur wenige Anlagen wurden nach dem Bosnienkrieg wieder aufgebaut. Andere wurden von der Natur überwuchert und erinnern heute noch an die Wendung in der Geschichte der Stadt. Diese erreicht man ebenso über das Drehkreuz Frankfurt.
Constanta, Rumänien: die Große Synagoge in einer der ältesten Städte des Landes
Vom Flughafen Bukarest aus erreicht man in zweieinhalb Stunden die "Große Synagoge" in der Stadt Constanta. Sie war noch bis 1996 die Heimat einer kleinen jüdischen Gemeinde. Heute, angesichts des Rückgangs der lokalen jüdischen Bevölkerung, liegt die Große Synagoge verlassen und ist dem Verfall preisgegeben. Nur drei der vier tragenden Wände sind intakt, das Dach ist bereits kollabiert, viele der Fenster eingeschmissen, wodurch sich ein bizarr-schöner Anblick ergibt. Bäume wachsen bereits im Inneren des Gebäudes und das Mauerwerk ist mit Moos überzogen. Vom Betreten des Gebäudes wird abgeraten, da Einsturzgefahr herrscht.
Tallin, Estland: Patarei das schreckliche Gefängnis
In der Hauptstadt Estlands, direkt an der Küste, befindet sich das ehemalige Militärgefängnis Patarei. Bis 2002 waren hier noch Gefängnisinsassen unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert, genaue Zahlen gibt es nicht. Fest steht jedoch, dass Patarei einer der schrecklichsten Orte Estlands war. Heute kann man das ehemalige Gefängnis besuchen, wo es schon etwas unheimlich ist. Putz bröckelt von den Wänden, es riecht modrig und die Gerippe von alten Betten stehen herum. Die Einwohner Tallins gruseln sich anscheinend vor dem Ort nicht, da sie am ehemaligen Gefängnisstrand Partys feiern.
Über Frankfurt geht es nonstop nach Tallin.
Über Frankfurt nonstop nach Tallin
Pyramiden, Spitzbergen: der nördlichste Lost Place Europas
Der wohl kälteste und nördlichste verlorene Ort Europas liegt auf Spitzbergen – einer zur Norwegen gehörenden Inselgruppe nahe dem Nordpol. Hier fand immer schon Kohleabbau statt. 1910 wurde die Stadt Pyramiden von Schweden gegründet und an die Sowjetunion verkauft. Es wurden Wohnhäuser, ein Restaurant, eine Tankstelle und sogar eine Schule errichtet. Nachdem sich der Kohleabbau nicht mehr lohnte, wurde die Bergarbeitersiedlung 1998 verlassen, die Miene geschlossen, nur noch das Hotel ist in Betrieb und die Stadt zum Lost Place. Allein kann man hier wegen der Eisbären nicht unterwegs sein, jedoch werden Touren mit Guides angeboten.
Hier ist die Anreise etwas komplizierter von Frankfurt aus geht es über Oslo nach Longyearbyen.
Kyrkö Mosse, Schweden: Ein Autofriedhof im Märchenwald
Nicht nur Städte und Dörfer können zu verlorenen Orten Europas werden. In einem Moor in Schweden befindet sich ein Autofriedhof, der aufgrund seines kulturhistorischen Werts bis heute besucht werden kann. Hier hat Åke Danielsson sich in den späten 80ern um die Verwertung von Autos gekümmert. Die ausgeschlachteten Wracks ließ er einfach im Wald stehen. Die neuen Besitzer sollten später das Gelände räumen und den Boden sanieren. Da die Schönheit, der von Moos und Pflanzen überwucherten Fahrzeuge jedoch bereits vielen Menschen aufgefallen war, einigte man sich vor Gericht auf einen Erhalt des magischen Ortes bis 2050.
Mit der zunehmenden Zahl an Besuchern, stieg leider auch der Vandalismus. So sind einige der Autowracks ihrer Anbauteile beraubt oder zerstört worden. Gerade bei Lost Places und scheinbar bereits zerstörten Orten ist es wichtig, wenn nicht sogar notwendig, als Besucher zum Erhalt dieser beizutragen. Die oftmals fragileren Bauten werden nicht mehr gewartet und sind meist frei zugänglich. Als Reisende liegt es in unserer Verantwortung, diese Orte mit Respekt zu besuchen und sie so zu verlassen, dass auch zukünftige Entdecker dieses Abenteuer genießen können.
In unserem aktuellen Flugplan findet man Verbindungen, um sich all die verlorenen Schätze auch einmal selbst aus der Nähe ansehen zu können.